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Feng Shui World Kongress 2000

„Chinese Ways“ - Ein Interview mit Großmeister Yap Cheng Hai

Im Rahmen des zweiten Feng-Shui-World-Kongresses in Innsbruck gelang es uns, Yap Cheng Hai, der unbestritten zu den weltweit führenden Kennern des traditionellen chinesischen Feng Shui gehört, und seinen Assistenten Joe Yap für ein Interview zu gewinnen.

Der Großmeister des Feng Shui erwies sich als geistreicher und unterhaltsamer Gesprächspartner, der keinen Wert auf Schmeicheleien legt, sondern durch fundiertes Wissen und Authentizität begeistert.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal herzlich bei Lothar B. Baier vom Internationalen Feng Shui Forum e.V. bedanken, der dieses Treffen für uns arrangierte.

fs.de: Master Yap, in Ihrem Vortrag haben Sie uns berichtet, dass Sie 1956 Ihr Haus kauften, aber das Feng Shui erst später überprüften. Wann haben Sie Feng Shui erlernt?

YCH: Ich erlernte Feng Shui vor sehr vielen Jahren.
Aber als ich seinerzeit den Makler wegen dieses Hauses kontaktierte, hatten andere Leute bereits eine Option auf das Haus. Da die Anwärter jedoch keine Bankbürgschaft erhielten, rief mich der Makler an und sagte, dass ich kommen könne, um den Vertrag zu unterschreiben. Als ich das Haus zum ersten Mal sah, gefiel es mir sofort, und ich wusste auch ohne Feng Shui, dass es ein gutes Zuhause sein würde. Ich fragte den Makler, ob ich den Vertrag am nächsten Tag unterschreiben könne. Er verneinte und meinte, dass ich sofort unterschreiben müsse, da noch andere Leute interessiert seien. Also unterschrieb ich und schaute mir das Feng Shui im nachhinein an. Es war perfekt. So etwas nennt man Glück. (lacht)

Haben Sie Feng Shui bei Ihrem Vater erlernt?

YCH: Nein. Mein Vater war ein Kampfkunst-Meister. Er starb, als ich noch sehr jung war.
In meiner Jugend hörte ich viel über Feng Shui und beobachtete die Meister, wenn sie über dieses Thema sprachen. Ich las alle Bücher, die ich über Feng Shui finden konnte. Danach habe ich Feng Shui von Meistern in Taiwan und Hong Kong erlernt. Aber da ich fast alle Bücher kannte und das Wissen bereits verinnerlicht hatte, haben die Lehrer zu mir gesagt: „Eine Stunde, und Du bestehst.“ (lacht)

Sind sind also ein Naturtalent...? 

YCH: Ich habe Ihnen noch nicht die ganze Geschichte erzählt...
Vor vielen Jahren begab ich mich nach Taiwan, um Kung Fu zu erlernen. Eines Tages stellte mir mein „Bruder“ (Mitstreiter, ein Bruder im Geiste, A.d.R.) einen Feng-Shui-Meister vor. Ich fragte ihn, ob er mir ein spezielles Buch empfehlen könne. Er kramte ein über 85 Jahre altes Werk hervor und zeigte mir einige höchst interessante Passagen. Zunächst war ich ein bisschen verwirrt und hatte Fragen, aber als er anfing zu erklären, worum es ging, verstand ich die Zusammenhänge sofort. Da es zu dieser Zeit noch keine Kopierer gab, bat ich ihn, mir das Buch für 48 Stunden zu leihen, damit ich es abschreiben könnte. „Nein“, sagte er, dass sei zu aufwendig. Also schlug ich ihm vor, das Buch mit nach Malaysia zu nehmen und es ihm später zurückzuschicken. „Oh, das ist viel zu kompliziert“, murmelte er. Ich fragte ihn, was ich seiner Meinung nach tun solle, und er sagte, er werde mir das Buch schenken. Glauben Sie, dass ein Feng-Shui-Meister normalerweise mal eben seine Bücher rausrückt...?
„Wo kann ich einen guten Luo Pan erstehen?“ fragte ich ihn weiter. „Kein Problem“, antwortete er und drückte mir einen Luo Pan in die Hand.
So habe ich Feng Shui erlernt. Der Meister hat mir eine Beratung verpasst. (lacht)
In Hongkong begegnete ich später einem weiteren Feng-Shui-Meister, der sich hervorragend mit Landformationen auskannte. Ich hörte von einen Freund, dass dieser Meister mit seinem Luo Pan Metallvorkommen (Zinn) bis zu einem viertel Fuß genau aufspüren könne. Ich konnte das kaum glauben und fragte meinen Freund natürlich sofort, ob er mir den Meister vorstellen wolle. Er willigte ein.
Der Meister und ich wurden daraufhin gute Freunde. Er erzählte mir sehr viel über das sogenannte Landschafts-Feng-Shui.
Eines Tages kam der Meister nach Singapur, um eine Feng-Shui-Beratung zu machen. Er rief mich an und fragte mich, ob ich bei seinem Klienten vorbeikommen könne. Ganz offensichtlich war das Feng Shui des Klienten hervorragend, aber trotzdem drohte ihm der Bankrott. Zuerst verstand ich das Ganze nicht. Aber als ich genauer hinschaute, ahnte ich, dass etwas mit dem Wasser-Feng-Shui nicht stimmen konnte. Ich holte den Plan hervor und fand meine Vermutung bestätigt. Daraufhin erläuterte ich dem Klienten, wie er den Lauf des Wassers zu seinen Gunsten verändern müsse.
Der Feng-Shui-Meister bedankte sich bei mir und sagte: „Ich bin 85 Jahre alt“ – zu dieser Zeit war ich gerade einmal 40 – „und trotzdem werde ich Dich Meister nennen. Ich bin vielleicht der Meister der Landformationen, aber Du bist der Meister des Wassers.“

In der Tat, Sie sind als der Meister des Wassers bekannt und besonders durch Ihre „Wasserdrachenformeln“ berühmt geworden. Könnten Sie uns etwas mehr dazu erzählen?

YCH: Ja, wie ich heute morgen in meinem Vortrag bereits erwähnte: Ich habe bisher ungefähr zwanzig ausführliche Wasserdrachen-Beratungen gemacht. Sieben dieser Klienten sind heute Milliardäre.

Sie müssen also ein ganz spezielles Geheimnis haben. Viele Feng-Shui-Meister behaupten, dass sie das Leben eines Klienten verbessern, aber niemanden zum Millionär machen können, dem es nicht durch sein Schicksal bzw. das sogenannte „himmlische Glück“  bestimmt ist.
Nun ja, wahrscheinlich braucht man schon himmlisches Glück, um Sie überhaupt anzutreffen...

YCH: Ja, viele Leute müssen sehr lange auf eine Beratung warten. Es ist meistens sehr schwer, mich zu erreichen, weil ich mich ständig irgendwo in der Weltgeschichte herumtreibe...
Mit Leuten, die ich berate, muss mich daher so etwas wie eine geistige Verwandtschaft verbinden.

Beraten Sie auch in Europa?

YCH: Ja, sicher, in Europa, den USA und in Malaysia.
Ich bin gerade erst aus Istanbul zurückgekommen. Dort sollte ich das Feng Shui eines CNN Gebäudes, das kurz vor der offiziellen Eröffnung steht, untersuchen. Ich fragte die Auftraggeber, ob sie sich ihrer Sache sicher seien – Istanbul ist schließlich eine muslimische Stadt. Wenn nicht, werde mich die Regierung bestimmt aus dem Land schmeißen. Aber sie haben mich beruhigt und mir gesagt, dass das schon klar gehe. Daraufhin habe ich es dann getan. (lacht)

Sie arbeiten nicht nur als Feng-Shui-Berater, sondern Sie sind auch als Lehrer auf der ganzen Welt tätig. Gibt es zwischen Leuten, die in Asien und solchen, die in der westlichen Welt Feng Shui erlernen, Unterschiede? Setzen die Menschen in Ost und West andere Prioritäten?

YCH: Nein, eigentlich nicht. Alle Schüler haben schließlich einen genialen Lehrer, und wenn diese Genialität nicht irgendwann auf sie abfärbt, verlieren sie einfach den Verstand. (lacht herzlich)
Wissen Sie, meine Unterrichtsweise ist andersartig. Ich sage meinen Schülern zunächst, dass sie weder denken, fragen noch sprechen dürfen, sondern einfach wie wild mitschreiben sollen. Und nach einer Stunde lasse ich sie dann eine kurze Pause einlegen, damit sie ihre Hände ausschütteln können. Danach dürfen sie wieder weiterschreiben.

Joe Yap: Das ist eine sehr traditionelle Lehrmethode, die sich ganz erheblich von westlichen Lehrmethoden unterscheidet.

YCH: Schüler neigen dazu, Fragen zu stellen, bevor sie überhaupt wissen, um was es geht. Das ist wie mit dem Essen: Wenn du einen Koch fragst, wie etwas gekocht wird, bevor du es probiert hast, vergisst er, wie man kocht, und du vergisst zu essen. Damit ist das Abendessen dann ruiniert. Also: Nicht fragen, sondern erst mal essen!

Aha, Sie sind tatsächlich ein sehr pragmatischer Mann.

YCH: Ja, genau.

Würden Sie sagen, dass es für Feng-Shui-Praktiker wichtig ist, etwas über die Ursprünge des Feng Shui zu erfahren?

YCH: Für mich ist es wichtig, dass meine Schüler die klassische chinesische Feng-Shui-Theorie kennenlernen. Aber sie dürfen ihre eigene Kultur dabei nicht außer Acht lassen. Feng Shui ist in erster Linie Wissen. Es ist keine Religion, sondern eine Wissenschaft, die auf empirisch nachprüfbaren Grundlagen beruht.
Chinesen, Engländer und Russen benutzen Computer. Warum? Ganz einfach: Weil gute Computer überall funktionieren!

Sie würden Feng Shui also als Wissenschaft bezeichnen?

YCH: Ja, sicher. Feng Shui ist eine 2000 Jahre alte Wissenschaft, die immer und immer wieder überprüft wurde.
Ein guter Meister und Lehrer sollte in die Welt hinausgehen und herausfinden, was der Wahrheit entspricht. Viele Meister machen das und kennen daher eine Menge Geheimnisse. Aber sie verheimlichen ihre Erfahrungen, und ein Schüler muss oft mehr als zwanzig Jahre warten, bevor der Meister ihn an seinem gesamten Erfahrungsschatz teilhaben lässt.
Ich bin hingegen sehr pragmatisch. Da ich selbst sehr ungeduldig bin und nicht so lange warten wollte, erwarte ich auch von meinen Schülern nicht, dass sie sich lange gedulden. Ich will, dass sie schnell lernen und schnell bestehen. Daher habe ich eine sehr systematische Lehrmethode entwickelt, durch die ich in der Lage bin, meine fünfzigjährige Erfahrung in komprimierter Form zu vermitteln. Der Kurs setzt sich aus vier Modulen zusammen, und wenn ein Schüler nicht dumm ist, kann er durchaus ein Feng-Shui-Meister werden.

Ich nehme an, dass Ihre Schüler trotzdem sehr viel praktische Erfahrung und Übung brauchen?

YCH: Ja, darauf lege ich großen Wert. Ich will, dass meine Schüler z.B. die wichtigsten chinesischen Schriftzeichen erkennen, schreiben und aussprechen können.
Während meiner Kurse lernen die Schüler oft bis in die frühen Morgenstunden. Wenn sie sich beklagen, dass sie etwas nicht verstanden haben, liegt es meist daran, dass sie nicht hart genug gearbeitet haben, und das sage ich ihnen auch.
Ich kann mich an einen Schüler aus Zypern erinnern, der sich darüber beschwerte, dass der Kurs zu schnell voranschreite. Ich stellte fest, dass er noch nicht einmal die 24 Richtungen (Berge) entziffern konnte und sagte ihm, er solle mich nicht mit nutzlosen Fragen belangen. Vielleicht könne er sich später ja einfach an seinen Nachbarn wenden, denn der wisse, worum es gehe. Daraufhin erwiderte er nichts.
Am nächsten Morgen beherrschte er den gesamten Stoff und die Kurse begannen ihm Spaß zu machen. Heute ist er übrigens ein hervorragender Praktiker.

Viele meiner Schüler folgen mir um die ganze Welt und besuchen meine Kurse. Sie wollen so schnell wie möglich alles lernen und das Meister-Zeugnis erwerben. Aber das ist eine echte Herausforderung. Um die Meister-Prüfung zu bestehen, müssen die Schüler den Stoff einwandfrei beherrschen.

Das hört sich so an, als ob Ihre Schüler die Materie förmlich aufsaugen müssten...

YCH: Ja, wenn die Schüler das erste Mal Modul I und II absolviert haben, sehen sie Sternchen... (lacht)
Also sage ich ihnen, dass sie noch einmal kommen müssen. Viele Anfänger fragen mich daraufhin: „Warum? Wollen Sie uns das Geld aus der Tasche ziehen?“. Ich antworte ihnen, dass sie beim ersten Mal einfach nur mitschreiben und zuhören, aber das Wissen danach nicht in die Praxis umsetzen können. Also kommen sie wieder.
Ich nenne meine Schüler auch Chihuahuas (ausgesprochen: Huwuawua). Kennen Sie diese kleinen Hunde?

Ja...?

YCH: Wenn meine Schüler den ersten Kurs besuchen, lautet ihre Reaktion meist „huh, hu, huuh???“, denn die Materie macht sie neugierig. Wenn sie zum zweiten Mal wiederkommen, verstehen sie schon etwas mehr und staunen. Also reagieren sie mit „wua, woaw!“. Und wenn sie zum dritten Mal da sind, klickert es richtig und sie erleben den „WOOW-Effekt“. Deshalb heißt mein Unterricht auch „Huwuawuua“! (lacht)

Joe Yap: Modul I des Kurses findet schon auf Hochschul-Niveau statt. Die meisten Lehrer, die in der westlichen Welt Kurse für Fortgeschrittene anbieten, hören auf diesem Niveau auf.

Ich würde noch einmal gerne auf die berüchtigten Wasserdrachenformeln zurückkommen. Könnten Sie kurz skizzieren, um was es beim Wasserdrachen geht und wie Sie zum Wasser-Feng-Shui gekommen sind?

YCH: Der Meister aus Taiwan, der mir das Buch schenkte, machte mich auf die Wasserformeln in jenem Buch aufmerksam und bemerkte, dass diese immens wichtig seien. Ich fragte ihn natürlich nach dem Grund. Er antwortete: „Landschaften kann man verändern. Wenn sich heute an dieser Stelle ein Berg erhebt, könnte er morgen schon abgetragen sein. Dann ist das gesamte Feng Shui plötzlich hinfällig.“
„Aber Flüsse umzulenken, ist bedeutend schwieriger“, konterte ich.
„Ja“, sagte er, „aber für die Umsetzung des Wasser-Feng-Shui reicht sogar ein kleines Rinnsal.“
Daraufhin überprüfte ich das Feng Shui von Gräbern. Immer, wenn ich Urlaub oder ein freies Wochenende hatte, besuchte ich die Grabstellen auf dem Land. Ich machte das etwa fünf Jahre lang. Dann kontaktierte ich den Meister und fragte ihn, ob wir uns das Wasser-Feng-Shui einiger Grabstellen in Taiwan anschauen könnten. Er war einverstanden und wir verbrachten eine Woche in Taiwan, um das, was ich erforscht hatte, zu überprüfen. Am letzten Tag meines Aufenthalts, an dem wir ein paar Grabstellen in den Bergen untersucht hatten, fuhren wir mit einem Taxi nach Hause. Auf halbem Weg hielt der Fahrer an und sagte: „Ich habe bemerkt, dass Sie Feng-Shui-Meister sind. Es tut mir leid, wenn ich Sie belästige, aber ich würde Sie gerne um einen sehr, sehr großen Gefallen bitten. Die Grabstelle meiner Mutter liegt in der Nähe und der Bach, der sich bei ihrer Grabstelle befindet, fließt in eine sehr ungünstige Richtung. Er unterspült ihren Grabstein und bedroht das Wohlergehen meiner Nachkommen. Ich habe kein Geld, aber da ich sehe, dass Sie zwei Meister sind, bitte ich Sie mir zu helfen.“
Ich schaute den Meister an und wir nickten uns zu. Also fuhren wir zu der Grabstelle und erkundeten die Lage. Der Meister fragte mich, ob ich die Herausforderung annehmen wolle. Er sagte mir, dass es an der Zeit sei, mein Können unter Beweis zu stellen, und dass ich mein Bestes geben solle. Daraufhin untersuchte ich das Wasser-Feng-Shui und erklärte dem Mann, was er ändern müsse. Nachdem ich meine Analyse fertiggestellt hatte, schaute ich den Meister noch einmal an. Er signalisierte mir seine Zustimmung.
Als wir wieder in unserem Hotel angekommen waren, lächelte der Meister und sagte: „Mr. Yap, Sie haben bestanden.“ Er gab mir kein Zertifikat, sondern sagte mir einfach, dass ich bestanden hätte. Heutzutage vergebe ich Zertifikate, aber ich habe selbst nie ein Zertifikat erhalten... (lacht)

In Asien muss ein Feng-Shui-Berater keinen Schein erwerben oder ein Zertifikat bei seinen Klienten vorweisen. Wenn sich eine Person „Meister“ nennt, kann man davon ausgehen, dass sie tatsächlich ein Meister ihrer Kunst ist...

YCH: Nein, ein chinesischer Kampfkunstmeister zum Beispiel nennt sich selbst niemals „Meister“. Selbst wenn ein Kampfkünstler bereits 99 Jahre alt ist, würde er sich nicht als „Meister“ bezeichnen. Die anderen geben ihm diesen Namen.
Wenn Menschen mich heute „Meister“ nennen, muss ich das respektieren. Auch wenn Sie mich einen „miserablen Meister“ nennen, sage ich „o.k.“. Und wenn Sie mich „Großmeister“ nennen möchten, ist das auch in Ordnung. (lacht herzlich)
Ich darf diese Titel nicht ablehnen.
In China sagt man: „Du bewahrst dein Gesicht, den Namen geben dir die anderen.“ Wenn die Menschen dich also „Großmeister“ nennen und du den Anforderungen nicht gewachsen bist, verlierst du dein Gesicht und damit dich selbst. Man muss die volle Verantwortung für einen Titel übernehmen.

In der westlichen Welt haben die Leute da eine ganz andere Einstellung. Manchmal scheint es so, als ob die Leute sich weniger für die Inhalte, sondern vielmehr für Scheine und Zertifikate interessieren....

YCH: Ja, alle Leute im Westen nennen mich „Großmeister“. Und alle wollen selbstverständlich ein Zertifikat. Wir haben uns deshalb ganz schnell den westlichen Gepflogenheiten angepasst. (lacht)
Mein Assistent, Joe Yap, hat sehr viel von mir gelernt, aber ich habe ihm nicht ein einziges Zertifikat ausgestellt. Wenn er ein Zertifikat bekommen würde, müsste es ein riesengroßes Plakat sein. Schließlich unterschreibt auch er die Zertifikate, also müsste er eigentlich ein besonders großes Exemplar bekommen...
Jetzt verstehen Sie wahrscheinlich. Ich besitze keine Zertifikate, und die größten Meister schon gar nicht.

Heute morgen haben wir gehört, dass Sie nicht nur ein Meister des Feng Shui, sondern auch ein Meister der Kampfkunst sind.

YCH: Ja, ich beherrsche zwölf Kampfkunst-Stile. Shaolin Kung Fu, Tai Chi, Bagua..., eigentlich fast alles. Insgesamt hatte ich sieben Kampfkunst-Lehrer.
Und ich hatte drei spirituelle Lehrer, die mir zeigten, wie man mit Geistern umgeht.

Auch im Feng Shui ist gelegentlich von Geistern und magischen Wesen die Rede. Die Menschen in Europa und den USA haben mit Dingen, die jenseits des Materiellen liegen, oft Schwierigkeiten. Glauben Sie, dass das Erlernen von Feng Shui die Wahrnehmung beeinflusst bzw. verändert?

YCH: Ich glaube, dass alle Menschen, die sich meine Geistergeschichten anhören, an diese Geschichten glauben. Denn die meisten von ihnen begreifen irgendwann, dass der Glaube an Geister manchmal einfach eine Notwendigkeit ist. Und wenn sie mir nicht glauben, haben sie meist eine ganze Menge Ärger... (lacht)
Man kann nur durch Erfahrungen lernen. Ich erkenne auch nur das an, was ich nachgeprüft bzw. erfahren habe. Vielen Feng-Shui-Prinzipien habe ich erst getraut, nachdem ich sie empirisch überprüft hatte.
Als ich mit der Kampfkunst anfing, habe ich meinen Lehrer gefragt, ob er mir das Kämpfen beibringen könne. Ich sagte ihm, dass ich erst gar nicht mit dem Lernen anfangen wolle, wenn ich später nicht in der Lage wäre, richtig zu kämpfen. Der Meister akzeptierte das. Viele Leute beschäftigen sich zum Beispiel aus Gesundheitsgründen mit Kampfkünsten. Ich hingegen wollte von Anfang an lernen, wie man kämpft. Das ist eine andere Herangehensweise.

Könnten Sie uns zum Schluss noch etwas über das Pa Chai (8 Häuser Schule) erzählen? Wenn man die Ausrichtung eines Hauses bestimmen möchte, findet man in der Literatur zahlreiche Methoden, die zu vollkommen unterschiedlichen Ergebnissen führen.
Würden Sie einem Anfänger raten, erst einmal einer bestimmten Schule zu folgen?

YCH: Ja, klar, kommen Sie in meine Schule! (lacht herzlich)
Nein, wirklich, wie ich gerade sagte: Ich habe alles, was ich lehre, in jahrelanger Übung und Praxis geprüft und kann deshalb mit Sicherheit sagen, dass das, was ich lehre, funktioniert.
Erinnern Sie sich an meinen Vortrag heute morgen? Einer meiner Klienten bat mich herauszufinden, welchen Eingang er am besten nutzen solle. Er hatte ein großes Haus mit einem wunderschönen Haupteingang, einem recht ansehnlichen Seiteneingang und einem Dienstboteneingang. Ich habe ihm nach meiner Analyse geraten, den schmalen Dienstboteneingang zu nutzen, da dieser das beste Feng Shui verhieß. Als ich ihn ein paar Jahre später besuchte, führte er mich durch den Dienstboteneingang ins Haus. Ich fand das sehr eigenartig und fragte ihn nach dem Grund. „Das haben Sie mir doch geraten“, entgegnete er erstaunt. „Ach ja“, lachte ich, „das hatte ich doch glatt wieder vergessen...“
Dieser Klient ist heute ein vierfacher Milliardär.

Master Yap Cheng Hai, wir danken Ihnen für dieses Interview. 

Yap Cheng Hai begann bereits in den 40er Jahren mit Feng-Shui-Beratungen für große Konzerne, Politiker und gekrönte Häupter.
Das Geheimnis seines Erfolgs besteht in der Fähigkeit, einige der mächtigsten und effektivsten Feng-Shui-Systeme des alten Chinas zu kennen und gekonnt anzuwenden. Er gilt als ein Spezialist, der in der Lage ist, komplexe und diffizile Feng-Shui-Probleme geschickt zu lösen.
Seine Feng-Shui-Expertisen erstellt Yap Cheng Hai im Rahmen der Lehren von Pa Chai (8 Häuser Schule), San Yuan (Xuan Kong, Fliegende Sterne), Yin House oder Grave Feng Shui, San Hup (3 Kombinationen) und der berühmtesten Schule: dem Water Dragon.
Trotz seines hohen Alters reist Yap Cheng Hai noch heute um die ganze Welt, um sein Wissen und seinen Erfahrungsschatz als Berater und Lehrer weiterzugeben.

© Copyright by Kira Lemke

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