Feng Shui Wandertag
Die Fliegenden Sterne (Flying Stars) des Berliner Reichstags
Ein Bericht von Petra Coll-Exposito
Erklärtes Ziel meines Lehrers Großmeister Yap Cheng Hai ist es, seine
Schüler so gut als möglich auszubilden. In seinem Unterricht in Malaysia
legt er daher besonderen Wert auf Lo-Pan-Praxis und angewandte "Flying-Star-Technik":
Die Studenten seiner Meisterklassen besuchen und analysieren
Vergnügungsparks, Häuser, Hotels und Gräber. In kleinen, von ihm nach
Persönlichkeits-Kriterien zusammengestellten Gruppen, werden die Ergebnisse
erarbeitet, interpretiert und letztlich präsentiert.
Mein
Enthusiasmus für Feng-Shui steigerte sich durch diese Ausflüge. Daher
beschloss ich, dass auch meine SchülerInnen von dieser Herangehensweise
profitieren sollten. So richtete ich neben Basiskurs, Kompass-Schule,
"Flying Stars" und den Modulen 1 und 2a nach Großmeister Yap Cheng Hai für
meine Schüler den "Wandertag“ ein.
Am 21.
März 2002 nahmen wir uns die Berechnung des Berliner Reichstags vor:
Um
11.00 Uhr trafen wir uns bei Kälte und Wind am Platz der Republik. Wir
begannen mit der Umgehung des Gebäudes, um festzustellen, wo die
Blickrichtung ("facing"), d.h. das "Gesicht"
des Hauses, liegt. Es gibt vier
Reichstag-Eingänge, auf jeder
Seite des rechteckigen Hauses einen. Wir
einigten uns auf den,
an dem das meiste Leben tobt: Den Besuchereingang, wo
eine Menschenschlange, von einem hörbar genervten Pförtner abgefertigt, auf
Einlass hoffte, ohne von der Glasschiebetür zerquetscht zu werden.
Sodann nahmen wir mit unseren Lo-Pans unmittelbar an der Eingangstür Mass.
Die Kompasse wurden zunächst durch das Metall der Tür irritiert, doch mit
ein bisschen Abstand kamen wir
auf den Messwert von "West 2". Nun
betrachteten wir den Ausblick, den wir von der Eingangstür aus hatten:
Stufen führen hinunter auf eine mit Pfeilern abgesperrte Zufahrt,
die jetzt
nur noch von Fußgängern benutzt wird. Der Blick Fällt
auf einen großen und
drei kleine Fahnenmaste. Hinter dem Vorplatz befindet sich momentan eine
Baustelle, was Yang-Qualität bedeutet. Später soll dort ein Park angelegt
werden.
Zur linken Seite, im SW, die Scheidemannstrasse, weiter hinten ein Turm. |
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Petra Coll (Zweite von
rechts) und drei ihrer Schülerinnen vor dem Reichstag |
Zur rechten Seite, im NW, das Kanzleramt sowie eine weitere Strasse, die aus
dieser Richtung auf den Reichstag zuführt.
Wir begeben uns nach Norden. Ein Gebäude, etwas niedriger als der Reichstag
selbst, sorgt hier für den "Tiger“. Der nördliche Seiteneingang des
Reichstags (Blickrichtung: Nord 2) wird innen durch eine elektronische
Laufschrift, ein Kunstwerk, aktiviert.
Im Nordosten windet sich die Spree von Osten kommend gen Norden abfließend.
Ein im Bau befindliches Gebäude richtet eine spitze Ecke, einen "Giftpfeil",
auf den Reichstag. Im Hintergrund steht der Funkturm (Alexanderplatz).
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Wir bewegen uns weiter Richtung Osten. Hier, auf der Rückseite des
Reichstags, ist der Parkplatz und der - im Vergleich zu den Seiteneingängen
- dominante Hintereingang der Politiker. Ein historisches Gebäude gibt auf
der anderen Seite des Parkplatzes – wenn auch kleiner als der Reichstag
selbst – Rückendeckung, die so genannte "Schildkröte".
Im Südosten mündet die Ebertstrasse in die beidseitig befahrene
Scheidemannstrasse und die Dorotheenstrasse. In die Dorotheenstrasse
blickend, bietet sich uns ein unschöner Anblick: Mobilfunksender
strahlen auf das Reichstagsgebäude ein. |
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Petra Coll (Mitte) beim Ausmessen des Gebäudes |
Im Süden ein weiterer Eingang und – auf der
anderen Seite der Scheidemannstrasse – kein Seitengebäude, das als "Drache“
dienen könnte. Vielmehr befindet sich hier die "grüne Lunge“ Berlins, der
Tiergarten.
Soweit unsere aktuelle Reichstags-Rundum-Messung. Wir packen unsere Lo-Pans
sorgfältig ein und machen uns auf den Weg nach Hause.
Die Auswertung
Am
folgenden Tag treffen wir uns unter wärmeren Bedingungen: Nun, da wir die
Fakten zusammengetragen haben, kommt unter anderem meine zuvor durchgeführte
Recherche zum Zuge.
Der
historische Reichstag:
Nach zehn-jähriger Grundstückssuche und langen Diskussionen wurde der
Reichstag in den Jahren 1884 bis 1894 erbaut. Die erste Sitzung fand am
5.12.1894 statt, die vorläufig letzte Sitzung am 9.12.1932. Der
Reichstagsbrand ist auf den 27.2.1933 datiert.
Die Umgebung des Reichstags war damals eine andere als heute: Der "Tiger“ im
Norden fehlte. Vor dem Gebäude befand sich der Königsplatz und darauf –
direkt vor dem Gesicht des Hauses – ein großes Denkmal. Dahinter dann – auf
gleicher Linie – die Siegessäule, die erst zur Zeit der Nationalsozialisten,
1939, an ihren heutigen Standort – den "Großen Stern“ - versetzt wurde.
Die
veränderten Bedingungen vor Augen, lassen wir nun "die Sterne fliegen“. Die
erste Zahlen-Kombination geht auf die Periode des Baus und die Ausrichtung
des Gebäudes zurück. Im Falle des Reichstags (gebaut 1884-1894) war dies die
Periode 2 (Ausrichtung: West2).
Hieraus ergibt sich folgendes Chart/Diagramm
(Blickrichtung: West 2):
S
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9
Berg
Stern |
4
Wasser
Stern |
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2
Perioden-Stern |
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N
Dann
wird interpretiert: In Periode 2 (bis 1903) waren die Zahlen 2, 3, 4 und 8
tendenziell gut. Die Zahlen 1, 5, 6, 7und 9 waren tendenziell schlecht.
Somit
erkennen wir, dass die Blickrichtung des Gebäudes, der Haupteingang (West 2)
– durch den damals vermutlich auch die Politiker gingen - zu jener Zeit
durchaus problematisch war: Die Kombination 7-6 bedeutet "Schwertkampf". Die
Kombination wurde damals zudem durch die Statue vor dem Gebäude und die
dahinter anzutreffende "Siegessäule“ verstärkt. Die Kombination im
Nordosten,
6-7, steht für "Schwierigkeiten in Geldangelegenheiten“ und "Rivalität der
Männer im Haus“. Sie wurde durch die vorbei fließende Spree aktiviert.
Positiv zu sehen ist die Zahlenkombination im Osten: 2-2 bedeutete in jener
Zeit, dass die Frauen an Macht gewinnen, was seit dem Jahr 1894 definitiv
belegbar ist. Gut ist ebenfalls der Südosten: Die Zahlen 1-3 standen damals
für Fortschritt.
Wir
lassen die Sterne weiter fliegen. Zunächst interessiert uns das Jahr 1932,
das Jahr der letzten Reichstagssitzung (Blickrichtung: West 2, der
Jahresstern ist Rot gekennzeichnet).
S
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9
Berg
Stern |
4
Wasser
Stern |
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2
Perioden-
Stern |
5
Jahres-
Stern |
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N
Der
Jahresstern für 1932 ist 5. Gleich am Haupteingang steht nun zusätzlich eine
7. Sie verstärkt das schon anwesende Metall, den Konflikt, den
"Schwertkampf". Abschied und Trennung liegen in der Luft.
Interessant ist auch der Februar 1933, der Monat des Reichtagsbrandes
(Blickrichtung: West 2; der Jahresstern ist in Rot, der Monatsstern
in Grün gekennzeichnet):
S
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9
Berg
Stern |
4
Wasser
Stern |
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2
Perioden-
Stern |
4
JS |
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8
MS |
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N
Der
Jahresstern ist 4, der Monatsstern ist 8. Die fliegenden Sterne am
Haupteingang, 6 und 1, verstärkten in
Periode 3 das tote Chi. Tatsächlich zeigen die
Sterne, dass Feuergefahr bestand. Sie werden sogar deutlich: Im Nordosten,
durch die Spree aktiviert, bedeuten Jahresstern 7 und Monatsstern 2
"Brandgefahr".
Die
Nationalsozialisten nutzten das Reichstagsgebäude für Ausstellungen mit
populistischen Titeln wie "Der ewige Jude“ und "Bolschewismus ohne Maske“,
später diente er als Lazarett. Im 2. Weltkrieg wurde der Reichstag
bombardiert. Nach dem Krieg diskutierte man, ob der Reichstag nicht ganz
abgerissen werden solle. 1954 wurde die baufällige Kuppel gesprengt. 1957
ließ die Bundesbauverwaltung - die DDR wollte Anspruch auf die demokratische
Geschichte erheben - Teile der Westfassade Instand setzen. 1961 - mit dem
Bau der Mauer - gehörte der renovierte Reichstag zum West-Sektor der Stadt.
Ausstellungen wie z.B. "Fragen an die deutsche Geschichte“ fanden statt.
1991 wurde Berlin erneut Hauptstadt. Ein Architekten-Wettbewerb für einen
weiteren Umbau wurde ausgeschrieben, Norman Foster gewann. Sein
ursprüngliches Modell hatte noch keine Kuppel. Nach langen Diskussionen
einigte man sich auf die Konstruktion der jetzigen Glaskuppel. Vom
Feng-Shui-Standpunkt stört diese Version den Ming-Tang, die Mitte. Diese
Verletzung wird durch den Pfahl, der aus der Kuppel nach unten in den
Plenarsaal zielt, verstärkt.
Der
Umbau des Reichstags in der Periode 7 führt zu einem neuen
Chart/Diagramm (Blickrichtung: West 2):
S
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5
Berg
Stern |
9
Wasser
Stern |
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7
Perioden-Stern |
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N
In
dieser Zeit sind die Zahlen 7, 8, 9 und 1 tendenziell gut. Tendenziell schlecht
sind die Zahlen 6, 5, 4, 3 und 2.
Auffällig ist, dass der momentan von den Politikern benutzte Ost-Eingang mit
7-2 starke Feuer-Qualitäten aufweist. Die Kombination im Süd-Westen, 8-3,
durch die Scheidemannstrasse aktiviert, ist nicht gut für kleine Kinder und
deutet auf viel Streit. Der seitlichen Nord2-Eingang (9-4) fördert
Sprunghaftigkeit und wird durch die hier installierte elektronische Kunst
zusätzlich verstärkt.
Eine
Schülerin fragte mich, was ich als Feng-Shui-Beraterin im Falle des
Reichstages raten würde. Ich antwortete, dass es besser wäre, wenn die
Politiker den Vordereingang benutzen würden, um den Periodenstern 7 zu
verstärken. Und falls ich um einen effektiven Renovierungsvorschlag gebeten
werden würde: Bitte die Kuppel entfernen. Der Reichstag ist ohne viel
friedlicher.
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