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Feng Shui in der Praxis

Der La Sorgente Effekt

Der Umgang des Menschen mit Wasser ist so alt wie die Menschheit selbst. Unsere Vorfahren zollten diesem Element ihren höchsten Respekt.

Die Macht des Wassers fasziniert und erschreckt die Menschen gleichermaßen. Flüsse und Seen sind Lebensadern, aber sie können auch zerstörerisch und Tod bringend sein – ein Spiegel des Lebens selbst.

In Lied, Literatur und Kunst wurde das Wasser vielfältig besungen, beschrieben und dargestellt. Das Wasser - ein Spiegel unseres Geistes, ein Quell des Lebens, ein Hort der Geheimnisse -  ein Ort der Stille und im nächsten Augenblick vielleicht eine tobende und Leben vernichtende Naturgewalt.

Wer schon einmal am Assuan-Staudamm in Ägypten gestanden hat und von der Seite auf eines der geöffneten Tore herabblicken konnte, weiß, warum der Nil im alten Ägypten als Gott verehrt wurde: Es eröffnet sich dem staunenden Betrachter wahrlich „der Orgasmus eines Gottes“, von solcher Kraft und zugleich erhabener Anmut ist diese riesige Fontäne, dieser unendlich scheinende, weiß schäumende Erguss - um eben noch mit seiner Kraft zu prahlen und schon wenige Kilometer weiter völlig friedlich und unschuldig dahinzugleiten.

Dieses Schauspiel zeigt uns überdeutlich die Tücken der Wandlungsphase WASSER – Wasser ist unberechenbar, mächtig und tief – einmal Yin und dann wieder Yang...

Höchste Güte ist wie das Wasser (Lao Tse)

Gerade in der FengShui-Praxis kommt dem Wasser eine tragende Rolle zu – allein schon im Namen ist dieses Element ja verewigt – denn Shui heißt „Wasser“. So ist das Wasser für den naturverbundenen Menschen bis heute neben dem „Wind“ (Feng) eines der wichtigsten Naturphänomene und Ausdruck landschaftsbildender Energie.

Über den Umgang mit Wasser, in seiner gemäßigten Form als Träger des „Atems des Lebens“ (Qi), weiß die vielfältige FengShui-Literatur ebenso zu berichten, wie über seine Gefahren und Tücken, bis hin zu mahnenden Worten bei einem Gewaltausbruch, als „Atem des Todes“ (Sha), in der Form einer Überschwemmung etwa.

Für die alten Meister, wie auch für die FengShui Praktiker von heute, ist die Verwendung des echten, fließenden oder stillen Wassers zur Energetisierung von Haus und Hof nach wie von immenser Bedeutung.

Allerdings ist der mittlerweile inflationäre Gebrauch von Springbrunnen und FengShui-Wasserspielen aller Art, Form, Größe und Ausstattung in der FengShui-Gemeinde eine bedenkenswerte Entwicklung.

Alte, wie auch die bekannten Meister unserer Tage sind aufgrund den vielfältigen Erfahrungen mit seiner Unwegsamkeit nämlich sehr vorsichtig und zurückhaltend im Umgang mit dem nassen Element.

Das vorsichtige Taktieren und Planen beim Einsatz des kühlen Naß ist manch’ modernem Adepten ein Dorn im Auge, weil es doch so schön plätschert (Sieht der kleine nicht niedlich aus?). Ein Brunnen reinigt, hebt das Qi und erfrischt. Na und zudem führt er zu mehr Geldsegen. Was kann also daran bedenklich sein möglichst viele Brünnlein am Fließen zu halten?

La Sorgente – die Quelle von Freude und Leid

Eine ganz konkrete Erfahrung unserer Tage soll belegen wie Wasser energetisiert und wie es schnell, und für den Laien unbemerkt, negative Effekte zeitigen kann:

 Ein italienisches Restaurant im schönen Süden Deutschlands hat sich einen großen Brunnen vor den Eingang auf die überdachte Terrasse gestellt und diesen zu seinem Markenzeichen gemacht. Morgens bei schönstem Vorsommerwetter, so gegen 9:00 Uhr, wird der Brunnen, die Quelle („La Sorgente“) angestellt.

Tatsächlich kommen dann über den Tag verteilt, und besonders ab Mittags immer mehr Gäste, bis die ganze Terrasse voll besetzt ist. Der Brunnen läuft und läuft und läuft. In der Zwischenzeit sind drei Kellner bemüht, die Bestellungen aufzunehmen und die vielen Gerichte zu servieren. Alles scheint harmonisch, beschwingt und zufrieden. Aber sechs bis acht Stunden später zeigen sich Anzeichen von Überforderung bei den Kellnern und auch bei den Gästen, die keineswegs ausbleiben und alle fast gleichzeitig bedient sein wollen. Es bleibt kaum noch Zeit Luft zu holen. Die Stimmung wird immer gereizter und immer mehr Fehler und Verzögerungen in Bestellung und Auslieferung stellen sich ein. Einer der Kellner weiß regelrecht nicht mehr, wo ihm der Kopf steht, wird zunehmend ungehaltener und reagiert, verständlicher Weise, recht wirsch auf die immer häufiger werdenden Beschwerden. Die Situation droht völlig aus der Kontrolle zu geraten und ganz unbemerkt von allen Beteiligten läuft der große Brunnen im Hintergrund immer noch lustig weiter vor sich hin. Keiner würde vermuten, dass „La Sorgente“ die eigentliche Quelle der Disharmonie ist. Warum ist das so?

Aus Yin wird Yang (Anstellen des Brunnens). Das leere Restaurant füllt sich. Der Sinn des Brunnens, d.h. den Raum zu energetisieren, ist bereits erfüllt, als immer mehr Gäste kommen, die nun anscheinend immer schneller bedient werden möchten. Die Stimmung hebt sich immer weiter und das Fließen des Brunnens führt zu einem Übermaß an Yang – es ist zu schnell – zu gerichtet – zu stark geworden und kehrt sich so in sein Gegenteil: aus Qi wird Sha, aus der Lebenskraft wird negative Energie. Die Folge: Überreizung aller Beteiligten – fast bis zum Kollaps. Erst die späte Tageszeit und schließlich die Änderung der Yang-Energie in der Umgebung vom Tag und Nacht Rhythmus, bringt etwas Entspannung. Doch zu spät, denn sowohl die Kellner und als auch die Gäste gehen entnervt, überdreht und völlig erschöpft nach Hause.

Was hätte ein schlauer FengShui Praktiker gemacht?

Er oder Sie hätte den Brunnen von Zeit zu Zeit abgeschaltet und zwar immer so lange, bis sich das Restaurant etwas geleert hätte und die meisten Gäste versorgt gewesen wären. Erst dann hätte Sie oder Er den Brunnen wieder als Stimmungsausgleich zum Essen dazu geschaltet. Pause gehört eben auch zum Leben, wie ein guter Wein zu einem guten Essen.

Den Wasserdrachen richtig nutzen

In meiner Beratungspraxis tauchen regelmäßig Fragen zum Gebrauch von Wasserbrunnen auf. Die wichtigste Frage dabei ist der richtige Standort.

Bei der Klärung solcher und ähnlicher Frage gibt es, das sei hier gleich vorangestellt, keine Pauschallösungen, auch wenn das so manches Buch suggerieren mag.

Ich werde jedesmal hellhörig, wenn das Wörtchen „generell“ im Bezug auf FengShui-Maßnahmen auftaucht. Generell gibt es im FengShui nicht. Es gibt lediglich grundlegende Prinzipien und eine Vielzahl von Möglichkeiten. Die genaue Nutzung jeglicher Maßnahme und Einrichtungslösung muss immer im Einzelfall und in der ganz konkreten Situation von einem fachkundigen Praktiker geprüft und zur Anwendung gebracht werden. Das gilt in ganz besonderem Maße für den Gebrauch des „Wasserdrachen“ – sprich Zimmerbrunnens.

Ein allgemeiner Irrtum ist z.B. die These, dass ein Zimmerbrunnen in der sogenannten „Reichtumsecke“, meist noch in der „Drei-Türen-Ausrichtung“, zu mehr Wohlstand in Form eines höheren Kontostandes verhilft. Natürlich wird im FengShui die Energie des Wassers mit der des Geldes gleichgesetzt. Aber dies ist nicht zu materialistisch zu verstehen, denn Vermögen kommt von Vermögen, also von der Entfaltung der eigenen Fähigkeiten, man vermag etwas und daraus resultiert dann auch das materielle Vermögen. So gesehen wirkt das Feedback-System des FengShui erst einmal immateriell, bevor es dann im Außen tatsächlich zu einem Mehr an Wohlstand führt.

Aber in Erinnerung an den oben geschilderten „La Sorgente Effekt“,  ist bei einem Zimmerbrunnen im Geldbereich durchaus Vorsicht geboten. Der Effekt kann sich nämlich auch so auswirken, daß Sie zwar mit mehr Geld zu tun bekommen, dieses aber nicht bei Ihnen bleibt, sondern ähnlich, wie das Wasser des Brunnens, Ihnen durch die Hände rinnt und dann mehr Stress verursacht, als vorher!

Wer jetzt dennoch wissen möchte, wie man seinen Zimmerbrunnen „gewinnbringend“ nutzen kann –  schließlich ist er ja nun mal da-  macht das am besten über eine klare Standortbestimmung.

Die Berechnung der „Fliegenden Sterne“ in der tibetischen Übertragung auch „Das Windpferd reiten“ genannt, weist dazu die Himmelsrichtungen Norden, Osten, Südosten oder Südwesten aus (bis 2003). Doch der optimale Platz hängt dazu von der tatsächlichen Ausrichtung der Haupteingangstür des Hauses oder der Wohnung ab. Dazu benötigen Sie einen Kompaß. Entscheidend ist die Front-Richtung der Tür und die ergibt sich beim Hinausgehen.

Dann lesen Sie einfach anhand der Gradzahl die Richtung ab und ermitteln aus untenstehender Tabelle den besten der vier Standorte für Ihren Brunnen, dabei werden nicht nur die Hauptrichtung, sondern auch die zwei Nebenrichtungen beachtet:
 

Himmelsrichtung der Haustür 

 Kompassgrad-
Zahlen

Wasserbrunnen-Standort

 

Süden 1

157,5 bis 172,5

Norden

Süden

172,5 bis 187,5 

Norden

Süden 2

187,5 bis 202,5

Norden

 

Norden 1

 337,5 bis 352,5   

Norden

Norden

 352,5 bis 7,5

Norden

Norden 2

7,5 bis 22,5

Norden

 

Westen 1

247,5 bis 262,5

Osten

Westen

262,5 bis 277,5

Südwesten

Westen 2

277,5 bis 292,5

Südwesten

 

Osten 1

67,5 bis 82,5

Osten

Osten

82,5 bis 97,5

Osten

Osten 2

97,5 bis 112,5

Osten

 

Südosten 1

112,5 bis 127,5

Südosten

Südosten

127,5 bis 142,5

Südosten

Südosten 2

142,5 bis 157,5

Südosten

 

Südwesten 1

202,5 bis 217,5

Norden

Südwesten

217,5 bis 232,5

Südosten

Südwesten 2

232,5 bis 247,5

Südosten

 

Nordosten 1

22,5 bis 37,5

Osten

Nordosten

37,5 bis 52,5

Südwesten

Nordosten 2

52,5 bis 67,5

Südwesten

 

Nordwesten 1

292,5 bis 307,5

Norden

Nordwesten

307,5 bis 322,5

Südosten

Nordwesten 2

322,5 bis 337,5

Südosten

 

Wenn Sie die beste Richtung ermittelt haben, müssen Sie nur noch feststellen, wo im Wohnzimmer diese Richtung liegt. Dann können Sie Ihren Zimmerbrunnen platzieren.

Zum Schluss sei noch angemerkt: In einem Schlafzimmer hat ein Zimmerbrunnen nichts verloren! Achten Sie bitte noch darauf, dass immer nur frisches Wasser über die Pumpe läuft und legen Sie manchmal eine Laufpause ein. Lassen Sie das Wasser dann mindestens für einen Tag in Ruhe oder solange, bis es wieder ausgetauscht werden muss. Dann werden Sie stressfrei und herzensfroh viel Spaß mit Ihrem Raum-Energetisierer haben.

Fragen, Anregungen und Kontakt zum Autor?

Marcus Dannfeld praktiziert Traditionelles FengShui mit astrologischer Ausrichtung. Haupt-Lehrer sind Khenpo Dorje Gyaltsen Rinpoche und Man-Ho Kwok. Er berät Menschen und Unternehmen zu unterschiedlichen Projekten in Neckargemünd.

E-Mail-Adresse: MDannfeld@gmx.net (siehe auch Beraterdatenbank-Eintrag)

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