Zunächst einmal bedeuten die beiden Wörter
einfach Wind (und) Wasser.
Im landläufigen Sinn meint man mit dem Begriff "Feng Shui" den Einfluß
der Umgebung auf den Bewohner/Benutzer, sowohl, was den beruflichen, aber
auch privaten Erfolg im weitesten Sinne angeht, aber auch das Glücksspiel
wird im Chinesischen oft mit diesem Begriff bezeichnet. Denn so, wie man
auf der Straße nichts daran ändern kann, wenn es regnet oder der
Wind weht, sowenig kann man den Lauf der Kugel oder das Fallen der Würfel
bestimmen.
Im Allgemeinen richtet sich Erfolg in den
verschiedenen Bereichen des Lebens danach, ob man/frau sich im Einklang (in
Harmonie) mit seinem Umfeld befindet oder nicht. Nicht jeder Mensch
paßt auch gleich gut in jede Umgebung. So kann es durchaus geschehen,
dass dieselbe Person an dem einen Arbeitsplatz vom Erfolg verwöhnt wird,
in der neuen Firma aber überhaupt nicht Fuß fassen kann. Oder
daß, sobald das neue Haus bezogen wurde, plötzlich nur noch private
und/oder geschäftliche Krisen auf einen einstürmen.
Wie der Wind und das Wasser, fließt auch ständig die Lebensenergie
als sog. Chi über die Erde, gelangt beim Vordereingang in ein Haus hinein
und bei der Hintertür wieder hinaus. Ist dieser Fluß optimal,
fördert er das Gedeihen und den Erfolg der Bewohner auf allen Ebenen.
Befinden sich störende Einflüsse in seinem Weg, werden bestimmte
Bereiche nicht erreicht , ist die Ausrichtung des Hauses für diejenige
Person unpassend oder gibt es sogar Stellen, die unter schlechtem Einfluß
stehen oder ganz fehlen, ist auch die Harmonie und damit der Erfolg und das
Wohlergehen der Bewohner/Arbeiter gestört. Das kann einzelne Bereiche
betreffen (Beruf, Gesundheit, Beziehungen....) oder aber auch generell Unheil
stiften. Deshalb ist natürlich der ungehinderte, gleichmäßige
Fluß (und damit die optimale Ausrichtung) das anzustrebende Ziel jeglicher
Maßnahmen im Feng Shui. Diese Maßnahmen reichen hierbei vom einfachen
Umstellen der Möbel, über dekorative Maßnahmen und Umbauten,
bis hin zur kompletten Bauberatung und Auswahl von geeignetem Gelände
schon vor der Errichtung, bzw. dem Bezug, von Gebäuden. Denn auch in
der Umgebung eines Hauses gibt es grundlegende Dinge, die das Wohlergehen
oder den Schaden für die Bewohner in bestimmte Richtungen lenken
können, je nach ihrer Ausprägung. Wie beim Glücksspiel ist
der unbedarfte Mensch auch hier dem Wohlwollen der Elemente ausgesetzt. Im
Unterschied zum (oder etwa genau wie beim?) Spiel kann jedoch der Kundige
die Elemente beeinflussen, so daß eine günstigere Ausgangssituation
entsteht.
Wurde in China ein Haus gebaut, so wurde früher
(und wird auch heute noch, bzw. wieder) ein Feng-Shui-Kundiger gerufen, der
den günstigsten Standort für das Gebäude und seine optimale
Ausrichtung in der Landschaft bestimmte. Außerdem wurde, gleich in
einem mit, die beste Nutzungsmöglichkeit für die einzelnen Zimmer
festgelegt. So hoffte - und hofft man - für sich und seine Nachkommen
das günstigste Schicksal zu ermöglichen. Das gilt sowohl für
beruflichen Erfolg, wie auch für eine gute Ehe, geeignete Nachkommen,
Schutz vor Krankheit und vieles mehr.
Man kann also die Feng-Shui-Kundigen in etwa mit den hiesigen Baubiologen
oder Rutengängern vergleichen, obwohl die Art und Weise der Ausübung
ihrer Kunst nochmals erheblich von denen der o.g. abweicht. Somit ist Feng
Shui eigentlich - mehr oder weniger - ein Zweig der chinesischen Medizin;
man könnte auch sagen: "Feng Shui ist angewandte chinesische Medizin
- in Bezug auf Architektur, Innenarchitektur und Landschaftsgestaltung."
Im großen und ganzen gibt es zwei
grundsätzliche traditionelle Richtungen.
Die erste ist die sogenannte Formenschule. Diese ist in den bergigeren Gebieten
Chinas entstanden, wo die Umgebung reich an den unterschiedlichsten Merkmalen
ist. Wie beim Menschen, so werden auch hier die Regeln des Yin und Yang,
sowie der fünf Wandlungsphasen/Elemente (Feuer, Erde, Metall, Wasser,
Holz), auf Gebäude angewendet. So entspricht z.B. ein Hügel mit
einer spitzen Kuppe der spitzen Form der einer Flamme, weshalb solch ein
Hügel oder Berg mit dem Element Feuer begrifflich verbunden wird. Eine
gerade, lange Felsnadel mit abgerundetem Gipfel ist wie ein Stab, also ordnet
man sie dem Element Holz zu.
Eine Hochebene ist flach wie ein Ziegel, deshalb gehört sie zum Element
Erde.
Ein Hügel/Berg mit schöner runder Kuppe erinnert, durch seine runde
Form, an eine Münze, also an das Element Metall;
und eine Gegend mit stark widersprüchlichen Formen auf engstem Raum
ist wie das Wasser, das auch keine festgelegte Form hat.
Die Regeln, die dem Ganzen zugrundeliegen, richten
sich streng nach der Ordnung in den fünf Wandlungsphasen des Taoismus.
D.h. Feuer erzeugt Erde, Erde erzeugt Metall usw. Dementsprechend wird
natürlich auch Holz von Metall zerstört und Metall von Feuer etc.
Wenn also jemand in einem Tal zu bauen gedenkt, das rundherum spitzzackige
Berge hat, sollte kein Holzhaus bauen - und schon gar keinen Turm - denn
Feuer wird von Holz ernährt und das bedeutet erhöhte Brandgefahr
für das gesamte Gebäude. Genau das Umgekehrte gilt dann aber für
einen Flachbau aus Stein, denn Erde wird ja vom Feuer genährt, so daß
die Bewohner dieses Hauses grundsätzlich schon bessere
Ausgangsvoraussetzungen haben, als die des ersten Hauses. Nicht nur die Form
der Umgebung, sondern auch die Anordnung sollte beachtet werden. So ist ein
Bauplatz z.B. besonders glückverheißend, wenn das Gebäude
etwas vor dem Mittelpunkt der Verbindung zweier Hügelketten gebaut wird.
Es wird dann "von Drachen und Tiger umarmt". Noch besser wird es, wenn auch
noch ein Bach geschwungen am Haus vorbeifließt, denn Geldfluß
ist bei den Chinesen stark mit dem Wasser verbunden. Deshalb gibt es wohl
auch fast kein China-Restaurant, in dem nicht wenigstens ein Aquarium mit
(neun, einer Glückszahl) Fischen steht. (Wobei dieses allerdings schon
wieder mehr in die Sparte "Aberglauben" fällt!)
Genau wie gute, gibt es aber auch schädigende
Formen.
Alles, was in gerader Richtung auf das Haus zuläuft oder darauf zeigt,
greift dieses und seine Bewohner an.
Das kann ein Bach, eine Straße oder auch eine Felsnase sein. Dies im
Besonderen, wenn dem Fels mit etwas Phantasie irgendeine Form gegeben werden
kann, die als nicht gut angesehen wird, z.B. eine sprungbereite Kröte
oder eine Speerspitze.
Noch schlechter sind allerdings spitzwinklige Ecken in Straßen oder
Gebäuden, die direkt auf das neue Gebäude zeigen, denn das sind
die sogenannten "geheimen Pfeile", die das Wohlergehen der Bewohner
bedrohen.
Abgesehen davon ist aber auch die Himmelsrichtung
der Hausfront (auch wenn der Hauseingang seitlich liegt!) wichtig.
Damit kommen wir zur zweiten Grundrichtung im Feng Shui, der sog.
Kompaßschule. Sie ist, aus Mangel an geeigneten Landschaftsmerkmalen,
in den flachen Ebenen Chinas entstanden und orientiert sich an den acht
Himmelsrichtungen Norden, Osten, Süden, Westen, Nordost, Nordwest,
Südost und Südwest, die aber auch noch in je drei Unterabteilungen
aufgeteilt werden, um jede Hausausrichtung genau erfassen zu können:
Diese acht Hauptrichtungen werden dann noch mit den acht Grundsymbolen des
I-Ging verbunden, was die Bedeutsamkeit der einzelnen Richtung noch mehr
betont. An der gleichen Straße stehende Häuser können, durch
die unterschiedliche Richtung der Hausfronten ganz andere Voraussetzungen
haben.
Auch das Geburtsdatum kann ausschlaggebend dafür sein, ob ein Haus,
bzw. eine Wohnung oder ein einzelnes Zimmer, überhaupt für den
Käufer oder Bauherrn geeignet ist oder nicht. Im Zweifelsfall muß
eben so lange eine günstige Hausrichtung gesucht werden, bis sich ein
harmonisches Gesamtbild ergibt. Wenn man schon eingezogen ist, müssen
dann eben entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, um die
"Kompatibilität" von Haus und Bewohner/Nutzer herzustellen.
Mit dem Chinesischen Kompaß, dem Lo-Pan
oder Luo-Pan, lassen sich nicht nur Himmelsrichtungen festlegen und die
I-Ging-Zuordnung eines Hauses bestimmen, sondern er dient außerdem
zur Berechnung, bzw. Identifizierung, von Sternbildern.
Es gibt eine ganze Reihe von Sternbildern, die jeweils nach Sonne oder
Mondposition ermittelt werden und die alle (neben den Himmelsrichtungen und
den Symbolen des I-Ging) mit auf dem Kompaß eingetragen sind, was ihn
so eindrucksvoll aussehen läßt.
Diese bescheinen jeweils einen Teil des Hauses, wobei es diverse "gute",
wie auch "schlechte" Sterne gibt. Man kann also gleich schon vor dem Bauen
feststellen, ob das Haus, oder Teile des Hauses, unter einem guten Stern
steht/stehen, oder nicht. "Schlechte Räume" werden dann natürlich
nicht gerade als idealer Standort für das Ehebett oder das Büro
des Chefs benutzt.
Feng-Shui-Praktiker kombinieren im allgemeinen
heutzutage die beiden Schulen mit der Betonung auf jeweils der Schule, die
ihnen am ehesten zusagt, oder mit der sie die besten Erfahrungen gemacht
haben.
Zusätzlich sind heute auch noch viele Elemente aus dem Volksbrauch
dazugekommen, die ebenfalls zur Steigerung der Qualität eines Gebäudes
beitragen (sollen).
In den Städten herrschen heutzutage auch noch dieselben Regeln, wie
in früheren Zeiten, nur nimmt man dort, statt der umliegenden Hügel,
die ringsum stehenden Häuser als Anhaltspunkte für gutes oder
schlechtes Feng-Shui. Der Kompaß ist selbstverständlich in der
Stadt genauso gültig, wie auf dem Land, allerdings muß man in
der Stadt viel sorgfältiger messen, weil man sich nie sicher sein kann,
ob nicht irgendwelche große Eisenteile (im Haus oder unterirdisch)
die Magnetnadel ablenken. In der Regel braucht man Feng-Shui heutzutage
größtenteils zu Umbau- oder Renovierungszwecken, wenn die Dinge
nicht so laufen, wie sie sollen, oder unerklärliche Phänomene
auftauchen, die einen ungünstigen Einfluß auf das Gedeihen eines
Unternehmens oder einer Beziehung (oder, oder,...) zu haben scheinen. Hierbei
benutzt man dann wiederum zusätzliche Regeln, die sich
erfahrungsgemäß als positiv oder negativ in Bezug auf das Chi
innerhalb des Gebäudes herausgestellt haben.
Wie eingangs schon erwähnt, ist das anzustrebende Ziel ein möglichst harmonischer Chi-Fluß innerhalb des Gebäudes. Dieser kann allerdings durch die unterschiedlichsten Einflüsse gestört werden. Sei es, daß zu viele Türen in einer Flucht liegen, die verschiedenen Schlafzimmer auf gegenüberliegenden Seiten eines Flures liegen, der Hausform wichtige Ecken fehlen, die Fenster zu groß oder zu klein oder garnicht vorhanden sind, für alle diese Dinge hat der "Feng-Shui-Mann" (oder Frau) ein Auge. Viele Dinge sind natürlich schnell einsichtig, wie z.B., daß ein Träger oder Balken auf Halshöhe in der Schlafzimmerdecke für unruhigen Schlaf und schlechte Träume sorgt, aber wer käme schon von selber darauf, daß ein Geschäft nicht floriert, weil der Eingangstür gegenüber direkt die Toilette liegt und man beim Öffnen der Tür auch noch direkt in/auf die Toilettenschüssel blicken kann? In einem solchen Laden sind alle Bemühungen der Inhaber wortwörtlich (zumindest aus Feng-Shui-Sicht) für den A.... und alle guten Möglichkeiten gehen durch die Klospülung wieder hinaus, sobald sie den Laden betreten haben. Abhilfe wäre hier relativ einfach zu schaffen, indem man einen Sichtschutz zwischen Laden- und Toilettentür anbringt, so daß der potentielle Kunde nicht mehr direkt auf letztere blickt, sobald er/sie den Laden betritt. Einige Richtungen des modernen Feng Shui (auch spöttisch "McDonalds Feng Shui" genannt, weil hier oft fehlende Ausbildung und theoretischer Hintergrund durch Anwendung von allem möglichen Tinnef kompensiert werden sollen) benutzen dazu noch ein Windspiel oder geschickt angebrachte Spiegel, die das Chi besser im Raum zirkulieren lassen sollen. So wird dann der Laden zum florierenden Geschäft. Das ist allerdings nur ein Einfachst-Beispiel. Oft sind es viel subtilere Störungen, die das Chi blockieren oder stören. Allein die Stellung von Herd, Bett oder Schreibtisch kann sehr viel ausmachen, was positive Ergebnisse angeht. Wenn allerdings das (Erst-)Bezugsdatum absolut inkompatibel zum neuen Besitzer ist, erreicht man nur mit einer fundierten Analyse und dementsprechenden Maßnahmen tatsächliche Verbesserungen. Da nützen dann Spiegel oder Kristalle nichts mehr.
Es ist schon erstaunlich, daß das geübte Auge der Feng-Shui-Kundigen, sowie ihre Fähigkeit, Lösungen anzubieten, eben das in der Überschrift erwähnte "andere Räumliche Sehen", es fertiggebracht hat, daß in China, sogar zu Mao Tse Tungs Lebzeiten, Feng Shui als eine Art traditionelle Wissenschaft, zumindest beim Bau größerer Fabriken, im Gegensatz zu vielen anderen traditionellen Künsten, wenigstens geduldet wurde.
Eine kleine Bemerkung zum Schluß: Wenn
man sich enger mit dem Thema befaßt, ist es schon fast ein wenig
erheiternd, daß eine Aussage immer wieder auftaucht: Keiner weiß
so ganz genau, warum Feng-Shui wirkt, nur daß es das tut, da sind sich
alle einig, die damit näher zu tun haben.
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