Der Begriff feng shui bedeutet, wörtlich übersetzt, in etwa: "Wind und Wasser." Feng Shui (manchmal auch "Chinesische Geomantie" genannt) entwickelte sich zuerst als die Kunst und Wissenschaft, die bestmöglichen Plätze für Siedlungen, Gebäude und Städte zu bestimmen. Ab einem späteren Zeitpunkt wurde dieses noch um die Bewertung von Grabstätten erweitert.
Bestimmte Stellen in einer Landschaft besitzen ein besseres Ch'i als andere, den sog. Atem des Lebens (sheng ch'i). Feng Shui befasst sich mit dem Finden und Bewerten dieser Stellen und ihrer individuellen Qualitäten für geplante Projekte. Außerdem kann man in bestehenden Gebäuden deren Eignung für bestimmte Zwecke und bestimmte Bewohner ermitteln.
Obwohl die eigentlichen Wurzeln im Laufe der Geschichte verloren gegangen sind, scheint die Zeit der stärksten Entwicklung von Feng Shui in der Periode der sich bekämpfenden Staaten gewesen zu sein. Mit der Einführung des Kompass' entstanden zwei grundsätzliche Richtungen: Die "Form-Schule" und die "Kompass-Schule".
Die Form-Schule (die früheste) befaßt sich vornehmlich mit den direkten Beziehungen von Terrain, Klima und Ch'i-Fluß. Die Kompass-Schule, eine spätere Entwicklung, fügt den Gebrauch eines speziellen Kompass' (sowie, noch später, ein spezielles Maß) hinzu, um ihre Auswertungen zu erstellen.
Sicher, wenn auch nicht mit derselben Genauigkeit.
Ja. Allerdings ist leider auch Feng Shui verwässert worden. Wirkliche Meister dieser Kunst sind selten. Es gibt vielleicht ein halbes Dutzend Praktiker auf der Welt, die echte Meisterschaft über dieses Thema für sich in Anspruch nehmen können. Sie haben aber normalerweise recht wenig Kontakt mit der größeren Öffentlichkeit, da sie in ihrer beratenden Tätigkeit bei größeren Bau- und Architekturprojekten meist zu eingespannt sind.
Feng Shui wurde durch einseitige Auslegung, wie z.B. die Beschreibung von Feng Shui als Maßnahme zur Innendekoration, und den unhinterfragten Gebrauch von allerhand Firlefanz und chinesischem Volksaberglauben, wie z.B. Talismanen und vergrabene Wunschzettel, verwässert. Verschlimmert wurde das Ganze noch durch die Wischi-Waschi-Theorie des "Verbesserns" von "ungünstigen" Plätzen und durch etliche Feng Shui Praktiker, die irgendwann einmal ein Buch gelesen haben und dann meinen, sie wüßten jetzt alles. Es gibt eine steigende Anzahl von Leuten, die auf dieser Welle mitreiten wollen, den Menschen nach dem Mund reden und ihnen anbieten, ihre Wohnungen zu verbessern, Geschäfte zum florieren und Nachbarschaftsstreitigkeiten zu abklingen zu bringen. Das alles natürlich für ordentliche "Gebühren". Auch etliche "Schulen", die auf jeder neuen "Esoterik-Welle" mitschwimmen, bieten "Feng Shui Ausbildungen mit Diplom" an, ohne eine Ahnung von tatsächlichem Feng Shui zu haben. Der unvoreingenommenen Neuling neigt natürlich dazu, den gesammelten Mist, der von diesem Umfeld ausgeht, für wahr und echt zu halten, wodurch der Kreis der Anhänger dieses Pipifax-Feng-Shui leider überproportional wächst.
Jain. Es gibt anscheinend einige modernere chinesische "Praktiker" die, um sich selbst interessanter zu machen, behaupten, sie hätten "tibetanisches Feng Shui" studiert. Nur - Es gibt kein ursprüngliches tibetanisches Feng Shui. Alles was in Tibet an Feng Shui praktiziert wird, entstand aus der o.g. Form-Schule und kam im 7ten Jahrhundert aus China. Es gibt wohl eine originale tibetische Praktik, die die Auswahl von heiligen Plätzen betrifft, aber das hat fast nichts mit den grundlegenden Prinzipien von Feng Shui zu tun.
Nicht aus sich selbst, wenn man alle anderen Faktoren einmal weglässt. Jeder, der das behauptet, ist ein Betrüger. Feng Shui nimmt niemandem das Arbeiten ab. Mit Feng Shui lassen sich allerdings die Voraussetzungen sowohl feststellen, als auch evtl. verbessern, um die Wahrscheinlichkeit für den Erfolg zu erhöhen. Manche Orte sind aber für bestimmte Geschäfte nicht geeignet. Da nützt dann auch bestausgeführtes Feng Shui nichts.
Man sollte sich in diesem Zusammenhang daran erinnern, daß Feng Shui aus einer landwirtschaftlichen Gesellschaft stammt und seine Bedeutung sich auf der Sorge um eine gesunde (fruchtbare) Umgebung und daraus folgendem Wohlstand gründet. Wenn ein Ort sich mit den sichbaren und unsichtbaren, sowie den fühlbaren und unfühlbaren Einflüssen in Harmonie befindet, kann das letztendlich für die Bewohner/Arbeiter nur von Vorteil sein.
Nein. Feng Shui ist eher mit den Naturwissenschaften verwandt.
Nein. Obwohl man durch seine Beobachtungen bestimmte Vorhersagen machen kann, was das Eintreffen bestimmter Ereignisse angeht, hat es dennoch nichts primär Erleuchtendes.
Natürlich. Allerdings ist jeder Platz irgendwie "gut" oder "schlecht". Es kommt immer auf denjenigen an, der fragt. Die Tiefsee ist z.B. unheimlich gut für verschiedene Fischsorten, aber auf Dauer sehr sehr schlecht für die meisten Lungenatmer.
Allgemein gesprochen, eventuell ja. Absolut gesehen sicherlich nicht. Feng Shui gibt Hinweise, wie man sich verhalten sollte, damit das Schicksal sich ändert, ändert selber aber nichts.
Drachen und Tiger sind bildhafte Umschreibungen für topographische Formationen, üblicherweise Hügel oder Berge, die in einer bestimmten Konstellation zu dem infrage kommenden Gebäude stehen sollten. Außerdem repräsentieren sie auch zwei Himmelsrichtungen: Der Drache den Osten und der Tiger den Westen.
Das Ch'i fließt normalerweise in einer Wellenbewegung oder gebogen wie ein Flußlauf. Wird es in eine gerade Form gezwungen, ist der Einfluß nicht mehr positiv, sondern negativ. Das Ch'i wird dann sha genannt. Wenn sha auf ein Gebäude zuweist, ist das sehr schädlich für Haus und Bewohner. Geheime Pfeile sind z.B. geradlinig auf ein Haus zulaufende Straßen oder Häuserecken, die wie eine Spitze auf das Haus zeigen. Sha ist außerdem Luft (stehende Luft), die nicht abfließen kann, der Geruch von Müll oder Unrat, aber auch ausgesprochene Flüche.
Darüber kann man geteilter Meinung sein. Aber immerhin gibt es tausende von Menschen die daran glauben. (Und etliche "Feng Shui Berater", die ihr Geld damit verdienen, daß sie solche Dinge verkaufen.)
Erst einmal natürlich Geld für den "Berater". Dann aber auch ein gutes Gefühl, seinen verstorbenen Verwandten etwas Gutes getan zu haben. Allerdings sollte man eigentlich seine Verwandten um ihrer selbst ehren, nicht, um damit reich und berühmt zu werden.
Inerhalb gewisser Grenzen sicherlich. Alleine die Anwendung von gutem Geschmack auf eine heruntergekommene Bude kann Wunder wirken. Es gibt aber naürlich auch die Frage, ob gutes Ch'i angezogen werden kann. Grundsätzlich schon - aber man kann nie sicher sein, welches Ch'i man anzieht. Im allgemeinen kann man sagen, daß es nur schwer möglich ist, an einen Platz ohne Ch'i welches hinzubringen, aber man kann sha abschwächen und so, relativ gesehen, das Gute Ch'i stärken.
Obwohl es sicherlich im Bereich des Möglichen ist, daß Gebete Meere teilen und Berge abtragen können, geschieht dieses doch außergewöhnlich selten. Es ist allerdings mehr oder weniger sicher erwiesen, daß es die Menschen, die regelmäßig beten, innerlich verändert. Opferungen, speziell Blutopfer, sind allerdings nicht im traditionellen Feng Shui enthalten und Letztere außerdem barbarisch. Geldopfer nützen immerhin zumindest einer beteiligten Partei.
Im klassischen/traditionellen Sinne eigentlich nicht. Wenn das Haus einmal errichtet ist, ist es schwierig, das Feng Shui grundlegend zu ändern. Aber Feng Shui kann dennoch das Auge trainieren, ein besseres Gespür für Balance, Harmonie und Ordnung zu bekommen. Dieses kann sich durchaus durch geschicktes Anordnen von Dekorationsobjekten innerhalb eines Wohnbereichs zeigen - oder in einem größeren Bewußtwerden von Raum und Ch'i-Fluß. Ein schönes regeläßig gepflegtes Aquarium erfreut das Auge und verleiht manchen Räumen eine besondere Qualität, wenn man es mag. Es ist aber keine Allheilmethode für alle Feng Shui Probleme. Ähnlich ist es mit der Anwendung von Kristallen und Windspielen, aber damit entfernen wir uns schon von der eigentlichen Frage, was Feng Shui ist in die Richtung: was Feng Shui tut. Alles in allem sollte man für eine Harmonische Innenausstattung einfach guten Geschmack walten lassen. Fehlt der, kann auch Feng Shui diesen nicht ersetzen.
Spätere Schulen des Feng Shui schließen auch astrologische
Berechnungen in ihre Bewertungsgrundlagen mit ein. Geht man davon aus, daß
beides auf der Fünf-Wandlungsphasen-Theorie beruht, gibt es da auch
eine Verbindung - ähnlich wie es sie auch für die Akupunktur gibt.
Aber, insgesamt betrachtet ist Feng Shui sowieso sehr "weit offen", in dem
Sinne, daß es die Beziehungen von Himmel, Erde, Zeit, Raum und die
darin befindlichen Menschen in ein großes Ganzes zusammenfaßt.