|
|
||
Die Wurzeln des Feng Shui - Das I-GingDas I-Ging, welches als "Buch der Wandlungen" bezeichnet wird, ist vielleicht die älteste Schrift über Philosophie, Kosmologie, Prophezeiungen und Transformation, die es in der chinesischen Zivilisation gibt. Es ist eines der wenigen Bücher, die nicht der willentlichen Vernichtung durch Despoten zum Opfer fielen. Von der Zeit des ersten Tschin-Kaisers (221 v.Chr.) bis hin zu Mao Tse Tung gingen unzählige wertvolle Schriften verloren. Das I-Ging muß daher ein wesentlicher Bestandteil chinesischer Kultur sein. Womöglich übt es auf die Weisen ebenso wie auf die tyrannischen Herrscher irgendeine magische Anziehungskraft aus. Obgleich neuere Bücher Feng Shui als eine unabhängige intuitive Wissenschaft und Kunst bezeichnen, hat es seine Wurzeln im I-Ging. Es offenbart das Muster und den Puls des Lebens.
Die erstaunlichste Eigenschaft des Buches der
Wandlungen besteht darin, daß es nicht nach dem Unwandelbaren und Ewigen sucht, d.h.
nicht nach etwas, das dem menschlichen Wunsch nach Aufrechterhaltung seiner Identität in
einer ständig sich verändernden oder vergänglichen Welt entspricht, sondern daß es den
Wandel selbst zum Grundprinzip des Universums erklärt. Die Chinesen fielen nicht einem
wunschgeborenen Denken zum Opfer, das das Menschsein zu einem Ausnahmefall erklärt, durch
den die grundlegenden Gesetze des Weltalls negiert werden, in dem der Mensch als eine
unveränderliche und ewige Einheit konzipiert wird, die sich von allen anderen
Lebensformen unterscheidet. Sie nahmen vielmehr den Stier bei den Hörnern und entdeckten
das Ewige im Wechsel, d.h. die Tatsache, daß Transformation keine willkürliche
Veränderung oder Unbeständigkeit ist, sondern g e s e t z m ä ß i g e r W a n d
e l. Die Entdeckung dieser Tatsache ist zugleich die Anerkennung jener Periodizität, die
das Leben in allen seinen Formen beherrscht und daher geradezu als Ausdruck des Lebens
selbst zu betrachten ist, wodurch sie im Gegensatz steht zu allem, was sich dem Wechsel
entgegenstellt und so zum Tode führt. Denn wir sind alle sterblich, solange wir den Tod
fürchten, sind aber unsterblich, sobald wir uns nicht mit den Grenzen unserer
gegenwärtigen Persönlichkeit identifizieren und uns dem ewigen Rhythmus des Universums,
in dem wir leben, hingeben.
|
|||
|
|
|||